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Die Welt verbessern mit Sensoren

Mehr als 90 Studenten, Berufserfahrene und Mentoren tüftelten beim Sensors & {data} | Hackathon vom 20. bis 22. Juli 2018 in Heidelberg an Prototypen für digitale Produkte und Dienstleistungen. Freude an der Herausforderung, Gleichgesinnte treffen und aus Ideen heraus konkrete Dinge schaffen – das sind drei verbindende Triebfedern der bunt gemischten Gruppe, die ein Wochenende lang das Untergeschoss der SRH Hochschule in einen emsigen und kreativen Thinktank verwandelte. Die drei besten Projekte erhielten Preisgelder von jeweils 1.000 Euro.


Während eine junge Frau vorsichtig einen mit Computerplatinen und Kabeln übersäten Stuhl in Richtung Bühne schiebt, klickt ihr Teamkollege im Laufen noch schnell durch die hastig vorbereitete Präsentation. Vier Minuten haben die beiden Zeit, um zusammenzufassen, worüber sie mit drei weiteren Mitstreitern die letzten 50 Stunden gebrütet haben. Vier Minuten, um die Jury von ihrer Arbeit zu überzeugen und einen der drei mit je 1.000 Euro dotierten Preise zu ergattern. Nicht gerade viel Zeit – und die Konkurrenz ist groß.

Insgesamt acht Teams traten beim Sensors & {data} |Hackathon 2018 an, um technische und gesellschaftliche Probleme mit Hilfe von Sensoren und Daten zu lösen. Die Probleme waren von mehreren Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Vorfeld eingereicht worden und kreisten meist um ähnliche Fragen: Welche Daten lassen sich mit günstigen Sensoren erfassen? Wie können diese mit künstlicher Intelligenz und Maschinenlernen interpretiert werden? Wie lassen sich innerhalb kürzester Zeit Prototypen entwickeln, um die Ideen schnell zu erproben und zu verbessern?

Möglichst ausgereifte technische Lösungen erarbeiten, das ist das eine. Doch der Anspruch des Hackathons ging noch weiter: „Wir wollen den Menschen zeigen, dass zu einer ausgereiften Lösung mehr gehört als nur technisches Knowhow. Die schönste Idee bringt nichts, wenn sie nicht nutzerfreundlich und wirtschaftlich ist,“ fasst Thomas Prexl die Ziele der Veranstaltung zusammen. Er leitet das Gründerbüro im Technologiepark Heidelberg und ist einer der Köpfe hinter dem Sensors & {data} | Hackathon.

Freitagnachmittag ging es an die Arbeit: 50 Stunden lang hatten die rund 60 Programmierer, Maker, Wissenschaftler, Designer und Betriebswirte Zeit, um in Teams von fünf bis neun Personen Lösungen zu finden. Dazu wurde gelötet, 3D-gedruckt und programmiert. Für Liegestuhl-Pausen mit Craftbeer und Street Food nahmen sich die Teilnehmer nur wenig Zeit – das Hackathon-Leben spielte sich vor allem in den Arbeitsräumen ab.

Begleitet wurden sie von einem interdisziplinären Mentorenteam. Fast dreißig Spezialisten für Sensorik und Softwareentwicklung, für Datenschutz, Produktdesign oder für die Gestaltung und Präsentation innovativer Geschäftsmodelle waren vor Ort dabei, um die jungen und engagierten Menschen zu unterstützen. Am Ende zählte nicht nur eine gute technische Ausführung, sondern auch ein nutzerfreundliches Design und ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Eine vierköpfige Jury prämierte die herausragenden Teams.

Der Preis für die beste technische Lösung ging an Roomanizer. Das Team hatte sich dem Problem gewidmet, dass Besprechungsräume zwar reserviert, dann aber nicht genutzt werden und sich so Kosten im Unternehmen wie auch Frust bei Kollegen aufsummieren. „Das Team hat es geschafft, aus einer Handvoll Sensoren ein fertiges Produkt mit Gehäuse und cloudbasierter Software zu entwickeln, um die Anwesenheit von Menschen in Räumen zu erfassen und Leerstand zu vermeiden,“ zeigte sich Juror Sören Lauinger, Leiter der vom Medizintechnikunternehmen B.Braun betriebenen Innovationsschmiede werk_39, beeindruckt.

Für die nutzerfreundlichste Lösung wurde Uhura prämiert. Das Team hatte ein Gerät entwickelt, das die Aktivität der Sprechmuskulatur erfasst und zukünftig als synthetische Sprache wiedergeben soll. Der Ideengeber, ein junger Mann, der seinen Kehlkopf aufgrund eines Tumors verlor, könnte so wieder eine Stimme erhalten. „Weltweit gibt es mehrere Millionen Menschen, die nach einer Kehlkopf-Amputation nur noch eingeschränkt kommunizieren können. Klar und verständlich zu sprechen ist für diese Nutzergruppe ein wichtiges Ziel“, sagte Bernhard Küppers, aktiver Business Angel und Leiter des Gründer-Instituts in der SRH Hochschule Heidelberg.

Lediglich beim Preisträger für das beste Geschäftsmodell waren sich die Juroren uneinig und entschieden sich schließlich dazu, den Preis zu teilen. Prämiert wurde Bio Data Hero für eine Blockchain-basierte Lösung, die es ermöglicht, Gesundheitsdaten für klinische Studien verfügbar zu machen. „Wir sind davon überzeugt, dass in diesem Bereich ein riesiges Potenzial liegt – wir denken aber auch, dass es hier starken Wettbewerb und hohe regulatorische Hürden zu überwinden gibt“, erläuterte Nicolas Ott, Partner der Rechtanwaltsgesellschaft SZA Schilling, Zutt & Anschütz die Diskussion der Jury. Ebenfalls prämiert wurde Fossil Sensor Solutions, die sich der Frage gewidmet hatten, wie sich menschliches Wissen und Erfahrung bei der Wartung und Reparatur von Maschinen mit Hilfe von Sensoren konservieren lassen. „Wenn Mitarbeiter gehen, die eine Maschine besser kennen als ihre Westentasche, ist das für Unternehmen ein herber Verlust. Ihr Wissen über typische Fehler und Wartungsaufgaben in ein sensorbasiertes Expertensystem zu übertragen, könnte enormen Wert schaffen ­– wenn es gut funktioniert und von den Mitarbeitern akzeptiert wird,“ erläutere Michael Fuchs, Gesellschafter des Sensorherstellers Pepperl+Fuchs, die Auswahl.

Aber auch die vier anderen Teams wussten zu begeistern: Als Maastricht Team waren fünf Studenten aus den Niederlanden angereist, um einen intelligenten Stuhl zu entwickeln. Dieser könnte Lehrern künftig dabei helfen, besser auf Kinder mit Konzentrationsstörungen einzugehen. Das Team Lisa war angetreten, um mit virtuellen persönlichen Assistenten die Dokumentationspflichten von Chirurgen zu automatisieren. OP IoT entwickelte eine virtuelle Unterstützung für OP-Personal, die Fehler bei der Auswahl von Instrumenten verhindern könnte. Und um das leidige Thema Parkplatzsuche kümmerte sich Heidel-Park. Sensoren im Boden sollen in der smarten Stadt der Zukunft Autofahrer direkt zum nächsten freien Parkplatz lotsen.

„Hier brennt die Luft und alle sind elektrisiert!“, beschreibt André Domin, Geschäftsführer des Technologieparks und Vorstand der Heidelberg Startup Partners, seine Eindrücke des Wochenendes. Er fährt fort: „Im Grunde verdichtet ein Hackathon die Ideen des Technologieparks wie keine andere Veranstaltung: Wir suchen Menschen, die sowohl Ideen haben als auch den Mut, ihre Prototypen in realen Szenarien zu testen. Wir bieten Gleichgesinnte, Räume, Materialien und vor allem Experten, die wissen, was tatsächlich eine Chance auf Erfolg hat.“

Der Sensors & {data} | Hackathon war eine gemeinsame Veranstaltung der Heidelberg Startup Partners, des Gründer-Instituts der SRH Hochschule Heidelberg und des Technologieparks Heidelberg. Ermöglicht wird die Veranstaltung durch das Sponsoring des Medizintechnikunternehmens B.Braun, der Pepperl+Fuchs-Tochter NeoCeption und der Rechtanwaltsgesellschaft SZA Schilling, Zutt & Anschütz.

(Weitere Informationen stehen unter www.sensorsanddata.tech zur Verfügung. Weitere Fotos unter www.sensorsanddata.tech/documentation-2018/; Fotograf: Tobias Schwerdt)

Pressekontakt:
Dr. Thomas Prexl, Technologiepark Heidelberg GmbH, Im Neuenheimer Feld 582, 69120 Heidelberg
Telefon: 06221 71411-162, E-Mail: thomas.prexl@heidelberg.de

63 Teilnehmer und fast 30 Mentoren kamen am Wochenende für den Sensors & {data} | Hackathon in Heidelberg zusammen (Foto: Tobias Schwerdt)

Abschlusspräsentationen beim Sensors & {data} | Hackathon (Foto: Tobias Schwerdt)

Die vier Gewinner-Teams des Sensors & {data} | Hackathons: Roomanizer, Uhura, Bio Data Hero und Fossil Sensor Solutions  (Foto: Tobias Schwerdt)


27.07.2018 - 14:00