Success story: Biomeva

„Jeder Tag ist eine neue Herausforderung.“

Biomeva produziert Wirkstoffe für die klinische Erprobung.

Bereits seit 1993 stellt das Unternehmen mit Sitz in Heidelberg Arzneimittelwirkstoffe mit biotechnologischen Methoden für Kunden auf der ganzen Welt her, welche diese Wirkstoffe zu Arzneimitteln weiter verarbeiten.  

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Porträt Biomeva
„Wir verstehen uns als zuverlässiger und kompetenter Dienstleister.“

Die Biomeva GmbH ist ein Auftragsproduktionsunternehmen für die Biotech- und Pharmabranche. Bereits seit 1993 stellt das Unternehmen mit Sitz in Heidelberg Arzneimittelwirkstoffe mit biotechnologischen Methoden für Kunden auf der ganzen Welt her, welche diese Wirkstoffe zu Arzneimitteln weiter verarbeiten. Im September 2016 wurde Biomeva vom japanischen Konzern AGC Asahi Glass übernommen. Von der Übernahme profitieren beide Seiten. Ein Firmenporträt.

Ein schlichtes Backsteingebäude an der Grenze zur Heidelberger Bahnstadt, als Teil eines neu im Entstehen begriffenen Campusareals, so präsentiert sich noch zwischen Baustellen und dem Jobcenter der Bundesagentur für Arbeit das international tätige Unternehmen Biomeva. Es ist kalt an diesem grauen Oktobermorgen. An der Warenanlieferung parkt ein weißer Sprinter. Ein junger Mann in weißem Arbeitskittel und gelben Ohrenstöpseln betankt große Behälter aus Edelstahl mit flüssigem Stickstoff. Der Stickstoff dampft und zischt, es ist entsprechend laut.

In den Fluren hinter dem durchsichtigen Rolltor ist es dagegen ruhig. Eine Mitarbeiterin mit Haar- und Mundschutz putzt gerade die Arbeitsfläche in Reinraum Nr. 115. Hinter großen Glasfronten glänzen silberne Bioreaktoren, Messgeräte und Rohre. Die Fenster sind nicht zu öffnen, große Belüftungsanlagen sorgen für den geforderten Luftaustausch und die entsprechende Reinraumqualität – zu riskant wären Verschmutzungen durch Pollen oder andere kleine Teilchen aus der Umgebung.

Hier, im Erdgeschoss der Biomeva GmbH, werden Arzneimittelwirkstoffe für die Pharmaindustrie hergestellt. Wirkstoffe, keine fertigen Medikamente, wie Geschäftsführer Dr. Thomas Pultar betont. Ein feiner, aber wichtiger Unterschied, denn das fertige Produkt kann sich in der Konzentration des Wirkstoffes oder in der Darreichungsform unterscheiden.

Seit fast 25 Jahren bietet Biomeva seinen internationalen Kunden ein umfassendes Dienstleistungspaket rund um die Herstellung und Verarbeitung von Proteinwirkstoffen. Einer der Wirkstoffe wird bereits erfolgreich in einem Medikament gegen rheumatische Arthritis eingesetzt. Ein sogenannter Blockbuster. Viele der Proteinwirkstoffe befinden sich noch in der Phase der klinischen Erprobung. Bis zur Zulassung können zehn Jahre vergehen. Pultar ist zuversichtlich, dass auf Basis der Proteinwirkstoffe bald Medikamente gegen Krebs oder Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose entstehen werden. Allerdings sagt er auch: „Wir verstehen uns als zuverlässiger und kompetenter Dienstleister. Die eigentlichen Krankheitsindikationen sind für uns weniger relevant.“

Der Prozess der Wirkstoffherstellung ist kompliziert. Stark vereinfacht nutzt die Biomeva GmbH gentechnisch veränderte Bakterien oder Hefen, um die gewünschten Proteine herzustellen. Die Mikroorganismen werden in einem großen Fermenter mit bis zu 1500 Litern Volumen unter optimalen Bedingungen kultiviert. Im Anschluss werden die Mikroorganismen mittels einer Zentrifuge von der Nährlösung getrennt – Pultar spricht von der Zellernte. In weiteren Schritten muss das Protein aus dem Bakterium isoliert werden. Dazu werden die Bakterienzellen in einer Pufferlösung unter hohem Druck aufgeschlossen und das Protein schließend steril filtriert und in mehreren Arbeitsschritten mit chromatografischen Methoden gereinigt.

Pultar erläutert: „Wir müssen sicherstellen, dass das Protein in seiner Reinform vorliegt. Unser Wirkstoff wird später intravenös verabreicht. Daher haben wir die höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards einzuhalten.“ Der gesamte Produktionsprozess sowie die Reinräume unterliegen daher den strengen Richtlinien der Guten Herstellungspraxis (engl. Good Manufacturing Practice, kurz GMP). Alles wird sauber protokolliert und dokumentiert. Jedes Gerät ist aufwendig kalibriert, qualifiziert und überprüft – nur dann erhält es die erforderliche Freigabe für den Produktionseinsatz. Darüber hinauswird das Unternehmen regelmäßig von den Kunden und den Behörden auditiert bzw. inspiziert.

Innovative Forschung wie bei Start-ups ist nicht der Ansatz bei Biomeva GmbH . In der Wirkstoffproduktion geht es sehr konservativ zu. Die Zielsetzung liegt darin, den Herstellprozess reproduzierbar unter Kontrolle zu haben. Abweichungen von den jeweiligen Spezifikationen und Prozessparametern sind nicht zulässig. Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung haben oberste Priorität. Alle 70 Mitarbeiter sind in dieses enge Qualitätssystem eingebunden – Freiheitsgrade gibt es aufgrund der hohen Anforderungen keine. Bei der Prozessentwicklung und -optimierung einem weiteren Dienstleistungsangebot - sieht es hingegen anders aus: Hier suchen die Mitarbeiter kontinuierlich nach Verfahrensverbesserungen und stehen auch den Kunden beratend zur Seite.

Unvorhergesehene Ereignisse dürfen bei Biomeva nicht auftreten. Eine Taube im Reinraum? Eine kleine Spinne im Bioreaktor? Pultar schüttelt lachend den Kopf. „So etwas ist für uns unvorstellbar und wäre eine Katastrophe. Die größte Panne der letzten Jahre ist daher für Außenstehende fast schon banal: An einem heißen Sommertag hatte sich ein Druckluftcontainer auf über 60 Grad Celsius erhitzt, wodurch ein Messgerät ausfiel. Glücklicherweise haben die Mitarbeiter schnell reagiert, so dass der Herstellprozess samt Kultivierung der Mikroorganismen erfolgreich weitergeführt werden konnte.

Erfreulich für Pultar. Aber ist es nicht auch ein bisschen langweilig? Die Antwort kommt prompt: „Überhaupt nicht. Bei uns geht es um genaue Ausführung und Präzision. Wir sind hier abhängig von Menschen und von Geräten. Diese Kombination birgt durchaus ein Risiko, dass es zu Fehlern kommen kann. Umso wichtiger ist die entsprechende Wartung der Geräte sowie die permanente Schulung und langjährige Erfahrung der Mitarbeiter Jeder Tag ist eine neue Herausforderung.“

Wie es nun weitergeht? Im September 2016 wurde die Biomeva GmbH von der japanischen Firma AGC Asahi Glass übernommen, die sich auf Glas, Chemikalien, Keramik und andere High-Tech-Materialien spezialisiert hat. Auf den ersten Blick ein seltsamer Zusammenschluss, doch auf den zweiten Blick eine sinnvolle Akquisition, denn auch das japanische Unternehmen besitzt biotechnologische Produktionsanlagen für die Auftragsproduktion, ist bislang aber vor allem auf den japanischen Markt fokussiert. „Wir ergänzen uns sehr gut“, bestätigt auch Pultar und fährt fort: „Für die Japaner sind wir das Sprungbrett, um auf dem europäischen und dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Und die Japaner profitieren von unserer langjährigen Erfahrung. Umgekehrt eröffnet uns die Zusammenarbeit neue Produktionskapazitäten.“

In Zukunft soll Biomeva weiterhin Volumina bis zu 1.500 Liter für die klinische Erprobung herstellen. AGC will dann die Produktion für den Markt im 4.500 Liter Maßstab übernehmen. Im Tagesgeschäft ändert sich für die Mitarbeiter und die Kunden nichts – nur die Führungsriege wird fortan durch einen japanischen Kollegen verstärkt.

Gemeinsam mit den Japanern bespricht Pultar zudem einen Ausbau der Flächen in Heidelberg. Erst kürzlich hat das Unternehmen eine zweite separate Produktionslinie in Betrieb genommen, mit einem kleineren Bioreaktor und einem Volumen von 150 Litern. „Wir können nun für zwei Kunden gleichzeitig produzieren. Die beiden Einheiten sind reinraumtechnisch vollkommen voneinander getrennt, um eine Cross-Kontamination auszuschließen. Gerade für kleine Biotechnologie-Start-ups ist die kleinere Produktionsanlage ideal.“

Nicht zuletzt aufgrund dieser Nähe zu anderen Biotechnologie-Unternehmen ist Pultar die Anbindung zum Technologiepark Heidelberg wichtig. Auch wenn der Vorläufer der Biomeva bereits ein Jahr vor dem Technologiepark gegründet wurde, wie Pultar augenzwinkernd kommentiert („Wir waren zuerst da.“). Dennoch sind die anderen Mieter und die vielen jungen Kolleginnen und Kollegen für den Geschäftsführer mittlerweile zu einem wertvollen Netzwerk geworden.

Pultar erinnert sich: „Als ich vor zwanzig Jahren auf einer Messe in den USA war, hat es ausgereicht, Heidelberg auf das Plakat zu schreiben. Das stand für sich. Grundsätzlich hat sich das nicht geändert. Aber in der deutlich globalisierteren Welt bedarf es nun der ein oder anderen Erläuterung.“

Gerade die Funktion des Technologieparks als wichtige Schnittstelle zur Stadt Heidelberg weiß Pultar zu schätzen. „Wenn wir expandieren, so stehen wir vor der Herausforderung, die Anforderungen an eine GMP-konforme Produktionsanlage mit den Klimaschutzzielen und dem Bebauungsplan der Bahnstadt unter einen Hut zu bringen. Da ist der Technologiepark ein wichtiger und willkommener Ansprechpartner.“