Vergangene Woche wurde Heidelberg erneut seinem Ruf als Innovationsstandort gerecht: Auf dem Gelände des Heidelberg Innovation Park (hip) und in den Räumen des Technologieparks fand eine überregional beachtete Konferenz zur Künstlichen Intelligenz (KI) statt. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik trafen sich, um über Chancen, Risiken und die Zukunft der KI zu diskutieren.
Die Konferenz zog nicht nur Fachpublikum an, sondern auch prominente Vertreter der KI-Szene – darunter Sven J. Körner vom Heidelberger KI-Start-up Aleph Alpha, IBM-Experte Matthias Biniok und Johannes Tröger von der Ameria AG. Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner war ebenfalls vor Ort und betonte die Bedeutung des Standorts für technologische Innovationen.
Trotz aller Euphorie über den rasanten Fortschritt warnte Körner davor, KI mit Magie zu verwechseln. Sprachmodelle wie ChatGPT oder andere Large Language Models (LLMs) seien mächtig, aber eben auch fehleranfällig. „KI weiß nicht, dass sie mit jemandem spricht – sie berechnet nur Wahrscheinlichkeiten“, betonte Körner und warnte davor, überzogene Erwartungen zu entwickeln. Auch Matthias Biniok erinnerte daran, dass rund 80 Prozent aller KI-Projekte scheitern – oft aus Mangel an Planungssicherheit, IT-Regulierung und menschlicher Kontrolle.
Ein praktisches Beispiel lieferte das Projekt „JuKI“, das IBM gemeinsam mit dem Landkreis Augsburg entwickelt hat: Eine KI-gestützte Software, die Verwaltungsprozesse in der Jugendhilfe effizienter gestaltet – ein Indiz dafür, dass KI bereits heute konkret Zeit spart und Prozesse verschlankt.
Ein weiteres Highlight präsentierte die Ameria AG: Ein KI-basiertes Visualisierungssystem für den medizinischen Bereich, das in der Urologie des Krankenhauses Salem eingesetzt wird. Es erzeugt 3D-Modelle von Organen, die ohne VR-Brille steuerbar sind und zur OP-Vorbereitung dienen. Dennoch gab auch Johannes Tröger zu bedenken: „Wir stehen mit KI erst am Anfang.“
Die Konferenz unterstreicht Heidelbergs Stellung als Technologiestandort mit internationaler Strahlkraft. Das wird auch durch aktuelle Gründungszahlen bestätigt: Heidelberg liegt im deutschlandweiten Ranking der Startup-Hochburgen laut Startup-Verband direkt hinter München auf Platz zwei – vor Berlin.
Die KI-Konferenz war nicht nur eine Leistungsschau aktueller Technologien, sondern auch ein Aufruf zur Besonnenheit. Sie machte deutlich: Innovation und kritisches Denken müssen Hand in Hand gehen, wenn Künstliche Intelligenz einen nachhaltigen Beitrag zur Gesellschaft leisten soll.
Quelle: RNZ und Mannheimer Morgen
